Schwerin
Am 18. September1989 stellen Uta Loheit und Martin Klähn den landesweit ersten Antrag auf Zulassung des „Neuen Forums“ beim Rat des Bezirkes Schwerin.
Die erste öffentliche Veranstaltung des „Neuen Forums“ findet am 2. Oktober 1989 in der Paulskirche mit über 1.000 Teilnehmenden statt. Es bilden sich thematische Arbeitsgruppen in Schwerin und weitere Basisgruppen in anderen Orten.
Vier Tage später, am 6. Oktober 1989, kommen 1.500 Menschen in die Paulskirche, um sich über das „Neue Forum“ zu informieren. Mehr als 200 Genossen der SED versuchen erfolglos, die Veranstaltung aufzulösen, indem sie stören und provozieren.
Für den 23. Oktober 1989 hat das „Neue Forum“ zu einer Demonstration aufgerufen. Die SED plant zeitgleich am selben Ort eine Kundgebung. Schließlich demonstrieren 40.000 Menschen für die Zulassung des „Neuen Forums“. In den kommenden Monaten gibt es wöchentlich mindestens eine Demonstration.
Der 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung, Heinz Ziegner, tritt am 3. November 1989 zurück. Hans-Jürgen Audehm wird zu seinem Nachfolger gewählt und ein eigenständiges Aktionsprogramm für den Bezirk erarbeitet.
Die Vertreter aller Parteien stellen sich am 11. November 1989 vor 2.000 Zuhörenden einem öffentlichen Podiumsgespräch unter dem Motto: „Erneuerung- was ist jetzt zu tun?“.
Auf der Montagsdemonstration am 27. November 1989 sprechen sich 10.000 Menschen – wie auch in Wismar – für die Änderung der Verfassung aus.
Auf den Berliner Aufruf „Für unser Land“ reagiert eine Gruppe „Schweriner Demonstranten für die Umgestaltung“ am 1. Dezember 1989 mit dem Appell „Wir sind das Volk!“ und spricht sich für die Vereinigung beider deutscher Staaten aus.
Am 4. Dezember 1989 demonstrieren Tausende und fordern die Auflösung der Staatssicherheit.
Der Runde Tisch des Bezirkes Schwerin tritt erstmals am 12. Dezember 1989 zusammen.
Am 14. Dezember 1989 werden die Kreisämter der Staatssicherheit im Bezirk Schwerin für aufgelöst erklärt.
Etwa 1.500 Menschen demonstrieren am 26. Dezember 1989 für eine souveräne DDR.
Am 11. Januar 1990 werden zwei Tonnen Aktenmaterial aus dem ehemaligen Bezirksamt der Staatssicherheit vernichtet. Zwei Tage später, am 13. Januar 1990 versammeln sich 500 Menschen vor dem „Waldschlößchen“ in Crivitz, einer getarnten Zentrale der Staatssicherheit. Sie erwirken eine Objektbegehung und können durch eine mehrtägige Mahnwache verhindern, dass weitere Materialien nach draußen gelangen.
Unter der Leitung des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministers trifft am 24. Januar 1990 eine Delegation von bundesdeutschen Geschäftsleuten ein, um sich über Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu informieren.
Am 3. Februar 1990 gründet sich der SPD-Bezirksverband, dem 1.138 Mitglieder angehören. Einen Tag später bildet sich der FDP-Landesverband Mecklenburg.
An der letzten Demonstration, am 5. April 1990, beteiligen sich 5.000 Menschen.
Quellen:
Kai Langer: „Ihr sollt wissen, dass der Norden nicht schläft…“, Edition Temmen, 1999.
https://www.archiv-buergerbewegung.de/themen-sammlung/demonstrationen?bezirk_ddr=Schwerin&ort=Schwerin
Weiterführende Literatur:
- Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur (Hg.): Aufbruch 89. Über den Beginn der Wende in Schwerin, 1994.
- Uta Rüchel/Maria Klähn: „… aber wir hatten einen Traum“. Der Weg des Neuen Forums Schwerin von 1989 bis 1994. Landeshauptarchiv Schwerin, 2009.